E. E. Zunft zu Gerbern -

S Gärber Lied

Gerber zieh’n froh dahin,
Nach der Arbeit Last und Mühn,
Ruhig Blut, frischer Mut,
steht dem Gerber gut.
Ist gesorgt für Weib und Kind,
Füllt er dann das Glas geschwind.
Darum frei, Gerberei
hoch gepriesen sei.

Jedes Fell, flink und schnell,
Wird gesalzen auf der Stell‘,
Gut enthaart, abgescharrt,
Flott nach Gerber Art.
Wird dann in ein Loch gesteckt
Und mit Rinde zugedeckt.
Zugesperrt, recht beschwert,
Das erhöht den Wert.

Wenn’s ein Jahr fast und gar
In der feuchten Grube war,
Ist die Haut ungeschaut,
Zu Leder gar ergraut.
Doch man gräbt sie früher aus,
Wenn man hat kein Geld im Haus;
Gerbersmann, dann und wann,
Auch passieren kann.

Fleissig jetzt wird zuletzt
Sie dann an die Luft gesetzt;
Eh‘ man’s denkt, abgeschwenkt
Und dann aufgehängt.
Soll die Haut recht zähe sein,
Klopft man sie nach obendrein;
Hei, das schallt, hei, das knallt,
Wenn der Hammer fallt.

Kaum gedacht, über Nacht
Wird die Haut zu Geld gemacht;
Ei wie hold, blankes Gold
In den Kasten rollt.
Und der Gerber, weiss und rot,
Kneipt nach Tages Müh und Not,
Dass die Kraft, nicht erschlafft
Edlen Rebensaft.

Alle Jahr, kleiner war,
Unser tät’ge Gerberschar;
’s ist fatal, doch ’s Kapital
Bleibt uns jeden Fall.
Dass das Handwerk uns’rer Zunft
Nicht mehr ganz zusamenschrumpft,
Dass gedeih Gerberei
Hoffen wir aufs Neu!