Gerbern-Eiche Stamm
Wir Gerber und die Eichenbäume sind eine jahrhundertealte Symbiose, die Eiche ist ein fast heiliger Baum für unsere Tätigkeit. Denn zur Herstellung von feinster Lederware diente uns seine Rinde, also würdigte die Zunft dieses heilige Gehölz im Rahmen ihrer Möglichkeiten. So wurde am 14. November 1992 zum 750 jährigen Jubiläum der E. Zunft zu Gerbern unter Beihilfe der Stadtgärtnerei und im Beisein des hochgeachteten Herrn Alt-Meister Fritz Egger, sehr geachteten Herrn Alt-Statthalter Werner Sitzler sowie Vorgesetzte, Alt-Vorgesetzte und Zunftbrüder im Kannenfeldpark im Namen unserer Zunft gepflanzt.
Das passt zur Sache, denn in der Gerberei spiegelt sich die Stärke der Eiche unmittelbar wider: Ihre Gerbstoffe machten das Leder haltbar, widerstandsfähig und langlebig. Beständigkeit, Schutz und Robustheit – jene Eigenschaften, die man dem Baum zuschreibt – gehen gewissermassen auf das Material über. So steht die Gerber-Eiche nicht nur als Naturdenkmal, sondern auch als Erinnerungszeichen an ein altes Handwerk und dessen enge Bindung an die Natur.
Das Gedeihen dieses Baums dient uns heute als ein weiterer wichtiger Anlass in unserem Zunftkalender. So traf sich am Mittwoch, 10. Juni 2026 eine stattliche Schar von rund 40 Gerber zum nicht alltäglichen Stamm im Kannenfeldpark. Unser Gast, die vor 34 Jahren gepflanzte (Gerbern) Eiche, befindet sich immer noch vor Ort, eine Suchaktion erübrigte sich. Gross ist sie geworden und stolz steht sie da, symbolisiert Werte wie – Stärke, Kraft, Ausdauer und lässt Platz für manch andere Interpretation.
Wie eng diese Bindung einst war, zeigt ein Blick auf das Rohmaterial. Die Eichenrinde war kein Nebenprodukt, sondern der mengenmässig grösste Rohstoff überhaupt: Für einen Zentner Leder brauchte man vier bis fünf, für kräftiges Sohlenleder gar acht Zentner Lohe. Geschält wurde die Rinde im Frühling von den sogenannten Löhern in den Niederwäldern des Umlands – aus dem Sundgau, dem Markgräflerland, dem Jura und den stadteigenen Waldungen. Das Basel-Spezifische dabei: Nicht jeder Gerber kaufte einzeln ein, sondern die Zunft beschaffte gemeinschaftlich und en Gros. Um 1575 besass sie sogar eine eigene Lohstampfe vor dem damaligen Steinentor – der Lohhof am heutigen Lohweg war Sammel-, Mahl- und Verteilpunkt zugleich.
Also diente während der Hochblüte der Gerbereien zur Fertigung des Leders die Eiche als wichtiger Lieferant, sozusagen als chemischer Prozess. Unser hochgeachteter Herr Meister, Andreas Hunziker, berichtete ausführlich über diese alten Zeiten und teilte viel interessantes Wissen. Vielen Dank an dieser Stelle für die unterhaltsame Ansprache, lieber Andreas.
Nebst Eiche und Rede war selbstverständlich auch für Würste vom Grill und Getränke gesorgt. Das vorab noch unsichere Wetter entwickelte sich teils sogar zu Sonnenschein und mindestens genauso heiter liessen sich auch gute Gedanken bei interessanten Gespräche austauschen und erste Kontakte mit den Aufnahmekandidaten knüpfen. Einen herzlichen Dank geht insbesondere an die Organisatoren für diesen Anlass und dass der Regen der Sonne gewichen ist.
Bericht: Erwin Imholz, ergänzende Texte: Jonas Hunziker, Andreas Hunziker. /Fotos: Andreas Hunziker, Jonas Hunziker, Désiré Meyer, Erwin Imholz
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