Seniorenprogramm: S Grossbasel
S Grossbasel. Ein Spaziergang durch die Geschichte Grossbasels mit Mike Stoll
Die Führung durch Grossbasel startete am 14. April 2026 auf dem Münsterplatz und endet auf dem Marktplatz und bot eine vergnügliche und spannende Zeitreise durch ca. 2 Jahrtausende. Daher ist es unmöglich all die Daten und Fakten nur annähernd wiederzugeben. So sei es deshalb erlaubt, eine kleine, subjektive Auswahl der Highlights zu präsentieren.


Schon zur Römerzeit war das Gebiet des heutigen Münsterplatzes aufgrund seiner strategischen Lage auf einem kleinen Hügel unmittelbar am Rhein besiedelt: Im ersten Jahrhundert vor Christus lebten Rauriker in einem befestigten Oppidum; Reste davon sind an der Ecke Münsterplatz/Rittergasse noch zu sehen.Das Münster bietet Mike Stoll mehrfach Gelegenheit, auf die vergleichsweise zurückhaltend und massvoll vollzogene Reformationsbewegung in Basel hinzuweisen. Diese äussert sich u.a. beim Münster dadurch, dass die beiden Ritterheiligen Georg und Martin neben dem Hauptportal während des Bildersturms intakt geblieben sind oder der grosse Theologe und Humanist Erasmus von Rotterdam (Geburtsjahr unbekannt, gestorben 1536 in Basel), obwohl er altgläubig war, im nunmehr protestantischen Münster bestattet wurde. Eine eindrückliche Figur des religiösen Toleranzgedankens war Johannes Oekolompad (1482-1531), der führende Reformator Basels. Er war mit Erasmus von Rotterdam verbunden und setzte sich für Gewissensfreiheit und ein gewaltfreies Zusammenleben der Konfessionen ein.
Der nächster Halt galt dem Haus zur Mücke, das erstmals in den 30er Jahren des 14. Jh. unter der Bezeichnung «zer Mugken» erwähnt wurde und wo während des Konzils zu Basel (1431-1449) das Haus als Tagungsgebäude benutzt wurde. In ihm fand auch das Konklave statt, das 1440 den Herzog Amadeus von Savoyen als Felix V. zum Papst krönte. Basel war eine Papststadt. Während des Konzils hatte Basel eine sog. Konzilsuniversität; die Stiftungsurkunde für eine permanente Universität wurde 1459 von Papst Pius II. ausgestellt. Die Gründungsfeier fand 1460 statt. Damit ist Basel die mit Abstand älteste Universitätsstadt der Schweiz – Zürich folgte 1833, Bern 1834.
Nach einem kurzen Einhalten vor den beiden imposanten Patrizierhäusern, Blaues und Weisses Haus der Gebrüder Lukas und Jakob Sarasin, die ihren Reichtum der Seidenbandfabrikation verdankten, erwähnt Mike Stoll, dass die Seidenbandweberei von Glaubensflüchtlingen aus Frankreich und Italien hergebracht worden sei und im 19 Jh. als Grossunternehmen in der Stadt Basel sowie als Heimmanufaktur im Baselbiet unter der Bezeichnung „Posamenterei“ eine Blüte erlebte.


Schliessen wir unseren Kurzbericht mit dem Lällekönig. Um diese Figur ranken sich Gerüchte und es gibt eine Vielzahl von Deutungen und Erklärungen. Der Lällekönig entstand vermutlich in der ersten Hälfte des 17. Jh. Die erste konkrete Erwähnung stammt aus dem Jahre 1658. Er wurde als Königsmaske mit rollenden Augen und einer beweglichen Zunge beschrieben. Darin war ein Uhrwerk eingebaut. Der Lällekönig streckte 4mal pro Minute die Zunge heraus. Ein junger deutscher Herzog charakterisierte die Maske auf seiner Durchreise so: «… ein Kopff der durch das Uhrwerk getrieben alle Augenblick die Zung auss dem Halss streckt.“ (Basler Kostbarkeiten 41, Der Lällenkönig. Basels kurioses Wahrzeichen, J. Büttner, S. 8). Was die Bedeutung der Maske betrifft, gibt es mehrere Deutungsversuche. Die Idee, dass er die Kleinbasler damit ärgern wolle, kann nicht belegt werden. Vielleicht handelt es sich um einen Scherz ohne tieferen Sinn. Mike Stoll bevorzugt die (volkskundliche) Deutung als magisches Zeichen. Masken und Fratzen, angebraucht an Fassaden und im Innern von Häusern, dienten weltweit zur Abschreckung und Abwehr von Bösem und Bedrohlichem – im Falle von Basel: vor der Überschwemmungsgefahr durch den Rhein. Der Lällekönig wäre demnach ein sog. apotropäisches Zeichen.
Mehr zur Geschichte Basels gibt es beim nächsten Spaziergang durch die Kleinbasler Geschichte mit Maja Reichenbach am 13. Oktober 2026.
Text: Beat Butz; Fotos: Rolf Fischer und Felix Désiré Meyer
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